Super Haute Route
Wien · 2250 km · Menton

Stephansplatz, Wien → Menton · 27. Dez. 2025 – 24. März 2026

TransAlp
SuperHauteRoute 2026

Wien  ·  2250 km  ·  Menton

83 Etappen
·
88 Tage
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Der Traum — Matterhorn

Kapitel 01

Der Traum

Der langjährige Bergsteiger-Traum wird Wirklichkeit, einmal mit den Skiern von Wien bis ans Mittelmeer in einem Zug, ohne Unterbrechungen, rein aus eigener Kraft und logistischer Eigenleistung, ohne fremde Unterstützung zu gehen, die Alpen in ihrer vollen Schönheit und Länge zu durchqueren. Als Start kommt für mich Österreicher nur der Stephansdom im Zentrum von Wien in Frage, symbolischer Anfang oder östliches Ende der Alpen. Ganz ehrlich, es sind nur wenige Stunden Gehzeit via Schönbrunn, um die ersten Hügel des Wienerwaldes zu erreichen – als Draufgabe konnten bereits dort die Skier dank selten guter Schneelage angeschnallt werden. In den folgenden 2250 Kilometer Durchquerung war es nur in wenigen Fällen nötig die Skiern am Buckl zu tragen, grossteils lag Schnee, auch bis tief in die Täler. Ein ausgesprochen kalter und in der westlichen Hälfte auch schneereicher Winter.

Wien bis Menton — Gratwanderung

Kapitel 02

Wien bis Menton

Das Ziel der Durchquerung ist leichter zu definieren, ganz einfach dort, wo es keine Berge mehr gibt, sie ins Mittelmeer bei Menton in der Nähe von Nizza übergehen. Nur die allerletzte der insgesamt 83 Etappen, vielfach gespickt von zackigen steilen Passübergängen oder scharfen Graten, ausgesetzten Passagen und interessanten Gipfeln, war eine reine Wanderetappe, selbst auf dieser lag auf den ersten Kilometern, die wie so oft aufgrund der Etappenlänge im Schein der Stirnlampe gegangen wurde, noch ausreichend Schnee, unglaublich viel Schnee bis kurz vor das Meer. Starten ganz im Osten bedeutet gleichzeitig, sich schön langsam aber stetig an die hohen Berge heranzutasten. Schritt für Schritt, Tag für Tag. Es ist ein Einstimmen in die winterliche Landschaft, die damit verbundene Stille, Einsamkeit, in ihre Schönheit und der damit verbundenen Gefahr – Lawinengefahr.

Die Gefahr — Skieur en poudreuse

Kapitel 03

Die Gefahr

Nicht die Kälte, das Spuren im tiefen Schnee, die Abgeschiedenheit, die grossen körperlichen Anstrengungen, Entbehrungen, den Winterstürmen ausgesetzt sein, all die Entscheidungen zu treffen – nein, das ist keine Gefahr, das ist nur Basis für vernünftiges Losziehen und Vorwärtskommen. Die einzig grosse Gefahr sind Schneelawinen, die jeden Wintersportler innerhalb kurzer Sekunden auslöschen, ihn um seine Träume bringen können. Genau auf diese Lawinengefahr und Verletzungsgefahr im allgemeinen, ganz besonders Abfahrten bei schlechter Sicht oder miserablem Schnee, wurde immer in höchstem Masse aufgepasst. Kein Tag war schwerer als der andere, keiner leichter als der andere, die wahre Herausforderung bei dieser Art von Langzeitbelastung liegt darin, sich selbst so perfekt wie möglich zu kennen, nach Möglichkeit auch seine Weggefährten, um seine durchschnittliche Belastungsgrenze täglich aufs Neue einzuhalten und nur in den seltensten Fallen über dieses vernünftige Mass hinauszuschiessen. Die Summe aller 83 aktiven Tage brachten Erfolg und Zufriedenheit, innerliches Gleichgewicht und auch ein wenig Stolz auf Geleistetes. 5 Pausentage für Logistik, Strategie, Wetter und Erholung sind auf so eine lange Zeit bestimmt nicht zu viel des Guten ?

Die Kameraden — Portrait eisbart

Kapitel 04

Die Kameraden

Auch die Frage nach den richtigen Partnern stellte sich. Ganz alleine wollte ich aus sicherheitstechnischen aber auch zwischenmenschlichen Gründen diese lange Tour niemals angehen. Einen Partner für die ganzen 3 Monate konnte ich nicht finden, und so wurden es genau 11 Weggefährten, die mich auf diesem langen winterlichen Weg begleiteten. Meine 2 Söhne Tobias und Yan, Freunde, ehemalige leistungsstarke Gäste aus früheren Führungstouren, Bergführerkollegen – vollaktiv oder auch nicht. Jeder hat seinen Beitrag geleistet um die Skispitzen Richtung Westen und schlussendlich nach Süden zu bewegen. Meine Anforderungen an alle Kameraden war ganz einfach und klar definiert : all ihre Kompetenzen und Energie zu 100 % in das Gelingen der TransAlp SuperHauteRoute zu investieren. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es ist mir klar, dass ich die Latte sehr hoch gelegt habe. Das Projekt ging erfolgreich nach einem langen kalten Winter zu Ende, auch Dank aller, die daran beteiligt waren. Planen ist das Eine, Umsetzen in die Wirklichkeit das Andere. Wind, Nebel, Sonne, Schnee, Müdigkeit, Lawinengefahr, lange Etappen, kurze Nächte, schwere Rucksäcke. Die täglichen Herausforderungen sind gross, verlangen viel Konzentration, Fokus auf das Wesentliche – Weiterkommen, keine Zeit um nach Hinten zu schauen, einzig der Blick nach Vorne zählt. Kein Platz für Zweifel oder Ängste, diese traten niemals auf. Viel Respekt vor der Natur und maximal korrekter Selbsteinschätzung war die rechte Mischung, im Gleichgewicht diesen langen Weg zu begehen.

Das Wesentliche — Gipfelkreuz

Kapitel 05

Das Wesentliche

Seit langen Jahren als hauptberuflicher Berg- und Skiführer in dieser schönen Alpenwelt am Weg, waren es interessanter Weise nicht unbedingt die Gipfelerlebnisse oder die täglich geschafften Etappen, die von ganz grosser Bedeutung sind. Vielmehr sind es die kleinen Dinge am Wegesrand, das erstaunte Schauen und Reagieren der Menschen in Tälern, wo sonst absolut niemals ein Skitourengeher vorbei kommt, das Entdecken von Kleinigkeiten wie zB ein überdimensional geschnitzter Uhu aus Holz, Begehen und Befahren von Tälern, wo der Tagestourist bloss mit dem Auto durchzischt um Ziele abzuhaken. Mein klar definiertes Ziel war, Startpunkt in Wien mit dem Endpunkt am Meer aus eigener Kraft miteinander zu verbinden. So gut wie möglich auf Skiern, wenn nötig zu Fuss. Ohne Begleitfahrzeug, ohne Fremdlogistik, ohne Transferts, ohne Seilbahnen oder Fahrrad. Gipfel standen nicht im Vordergrund, sollten bei passenden Bedingungen aber mitbestiegen werden, schlussendlich sind es jede Menge davon geworden. Jeder hat so seine eigene Art, für mich kam nur die allerehrlichste und puristisch sportlichste in Frage ! Jede einzelne Etappe der insgesamt 83 geplanten und 83 tatsächlich durchgeführten ist magisch schön, keine davon möchte ich missen. Jede für sich hat ihren Reiz, ihre Herausforderungen, ihre Tücken, ihr Dankeschön, sie erlebt zu haben. Die bergsteigerisch oder skitechnisch herausragenden davon, mit den grossen bekannten Gipfeln wie Grossglockner, Grossvenediger, K2 oder Mont Blanc sind nach aussen getragen die lobbringenden, aber die wirkliche Zufriedenstellung liegt in der Summe der unzähligen einzelnen Schritte, die das Gelingen ermöglichten.

Die Bilanz — Gipfelblick

Kapitel 06

Die Bilanz

Viele Geschichten von Vorläufern hatte ich gehört, gelesen, analysiert und in die Planung miteinbezogen. Eine Frage konnte ich zum Glück nie nachempfinden, die nach dem Warum ? Weder im Vorfeld, noch auf Tour, stellte ich mir die Frage nach dem Warum ? Vielleicht wollte ich ihr keinen Platz lassen, mich eventuell ins Schwanken zu bringen. Ob ich dieses Warum verdrängte oder insgeheim für mich niemals existierte steht auch nicht zur Diskussion. Frei fühlte ich mich, ohne dieses Warum beantworten zu müssen. Die Tour sollte einfach geschehen, es war der rechte Moment dazu. Ein hausgemachtes Geschenk zum 50er. Ausreichende Bergerfahrung, konditionelle Fitness, eiserner Wille und Selbstdisziplin, herangewachsene Kinder, der nötige finanzielle Polster, berufliche Freiheit – viele Parameter müssen ineinander greifen, um dem Projekt reelle Chancen auf Gelingen zu geben. Und es gelang : Der Körper gehorchte dem Kopf, der Kopf passte sich der Natur an, widerstrebte ihr niemals, trotzte ihren oftmaligen Kapriolen dennoch, ohne Alarmzeichen zu übersehen. Ein unwahrscheinlich erhebendes Gefühl, im Einklang mit der Natur zu stehen. Um ganz ehrlich zu sein, ich hatte mich im Vorfeld auf sehr schwierige Bedingungen, auf extreme körperliche und mentale Beanspruchung, auf miserabelstes Wetter, auf harte logistische Nüsse, kurzum auf höchst widrige Umstände eingestellt und auch körperlich vorbereitet, die technische Ausrüstung auch danach abgestimmt und mitgetragen. Um dann im Gelände grossteils auf wesentlich bessere und erträglichere Umstände zu stossen, die es mir erlaubten, mich immer im grünen Bereich aufzuhalten, das Abenteuer zu erleben und nicht zu erleiden. Gerne hätte die Reise noch länger andauern, die Alpen noch länger sein können. Wahrscheinlich haben die für die heutige wärmere Zeit aussergewöhnlich guten Schneebedingungen dazu beigetragen, dass Begeisterung und Freude meine grösste Motivation bis zur letzten Sekunde der Unternehmung waren. Jetzt in ein Auto steigen und ab nach Hause ? Einfach nicht vorstellbar, einfach unmöglich. Die ausstehenden 700 Kilometer auf dem Rad, im eisigkalten Mistral Gegenwind, um vom Meer wieder nach Hause in Savoyen zu kommen, rundeten die persönlichen Ansprüche und körperliche Gesamtleistung dieser unvergesslichen AlpenSkiDurchquerung 2026 vollends ab.

Die Zahlen der Durchquerung

0
Kilometer
0
Etappen
0
Tage
0
Gefährten

Andreas Peisser — Berg- & Skiführer

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