Kapitel 06
Die Bilanz
Viele Geschichten von Vorläufern hatte ich gehört, gelesen, analysiert und in die Planung miteinbezogen. Eine Frage konnte ich zum Glück nie nachempfinden, die nach dem Warum ? Weder im Vorfeld, noch auf Tour, stellte ich mir die Frage nach dem Warum ? Vielleicht wollte ich ihr keinen Platz lassen, mich eventuell ins Schwanken zu bringen. Ob ich dieses Warum verdrängte oder insgeheim für mich niemals existierte steht auch nicht zur Diskussion. Frei fühlte ich mich, ohne dieses Warum beantworten zu müssen. Die Tour sollte einfach geschehen, es war der rechte Moment dazu. Ein hausgemachtes Geschenk zum 50er. Ausreichende Bergerfahrung, konditionelle Fitness, eiserner Wille und Selbstdisziplin, herangewachsene Kinder, der nötige finanzielle Polster, berufliche Freiheit – viele Parameter müssen ineinander greifen, um dem Projekt reelle Chancen auf Gelingen zu geben. Und es gelang : Der Körper gehorchte dem Kopf, der Kopf passte sich der Natur an, widerstrebte ihr niemals, trotzte ihren oftmaligen Kapriolen dennoch, ohne Alarmzeichen zu übersehen. Ein unwahrscheinlich erhebendes Gefühl, im Einklang mit der Natur zu stehen. Um ganz ehrlich zu sein, ich hatte mich im Vorfeld auf sehr schwierige Bedingungen, auf extreme körperliche und mentale Beanspruchung, auf miserabelstes Wetter, auf harte logistische Nüsse, kurzum auf höchst widrige Umstände eingestellt und auch körperlich vorbereitet, die technische Ausrüstung auch danach abgestimmt und mitgetragen. Um dann im Gelände grossteils auf wesentlich bessere und erträglichere Umstände zu stossen, die es mir erlaubten, mich immer im grünen Bereich aufzuhalten, das Abenteuer zu erleben und nicht zu erleiden. Gerne hätte die Reise noch länger andauern, die Alpen noch länger sein können. Wahrscheinlich haben die für die heutige wärmere Zeit aussergewöhnlich guten Schneebedingungen dazu beigetragen, dass Begeisterung und Freude meine grösste Motivation bis zur letzten Sekunde der Unternehmung waren. Jetzt in ein Auto steigen und ab nach Hause ? Einfach nicht vorstellbar, einfach unmöglich. Die ausstehenden 700 Kilometer auf dem Rad, im eisigkalten Mistral Gegenwind, um vom Meer wieder nach Hause in Savoyen zu kommen, rundeten die persönlichen Ansprüche und körperliche Gesamtleistung dieser unvergesslichen AlpenSkiDurchquerung 2026 vollends ab.